Doppelleben

Between Belgium and Berlin

Wie könnte Erasmus verbessert werden ? April 21, 2009

Filed under: living — Tom @ 09:03
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by Stéphane du Boispéan. (bien dit, copain!)

1987 wurde in 11 Ländern der damaligen Europäischen Gemeinschaft ein Austauschprogramm gestartet. Die Initiative kam von Franck Biancheri, einem Franzosen, der den damaligen Präsident Mitterrand überzeugte, das Programm finanziell zu unterstützen. Heute ist das Programm zum Symbol der europäischen Integration geworden.

Zwei Grundideen haben zum Start von Erasmus geführt : eine Sozialisierung der jungen Europäer und mittel- bzw. langfristig die Schaffung einer europäischen Identität. 22 Jahre nach dem Anfang sind die Dinge vielleicht nicht so einfach…

Eine Sozialisierung der Europäer

Die Idee ist relativ alt, einfach und mächtig. Wenn Jugendliche im Ausland studieren und sich mit anderen Jugendlichen aus ganz Europa anfreunden, dann wird Krieg fast unmöglich. Daran denkt fast keiner mehr, weil die Perspektive eines neuen europäischen Selbstmordes heute fern ist. Aber diese Sozialisierung auf europäischer Ebene ist eine Garantie. Heute würden viele Europäer es einfach ablehnen, an einem Krieg zwischen ihrem Land und einem anderen teilzunehmen. Erasmus kann also als Erfolg verzeichnet werden.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Mobilität etwas Neues für die Bürger von morgen ist. Laut einer Broschüre der Kommission von 2008 « waren 80 % der Erasmus-Studenten die ersten, die aus ihrer Familie im Ausland studierten » [1]. Der Einfluss auf die Familie ist auch entscheidend. Dass das Leben im Ausland die Ideen bewegt, ändert und die Aufgeschlossenheit verstärkt, ist fast zum Clichée geworden. Doch diese notwendigen Änderungen können auch innerhalb einer ganzen Familie stattfinden.

Aber keine europäische Sozialisierung

Es stellt sich aber die Frage, ob ein Austauschprogramm tatsächlich zur Schaffung einer europäischen Identität führt. Anders gesagt : Werden die Spanier, Italiener, Deutsche und Briten, die zusammen an Erasmus in Frankreich teilnehmen, zu Europäern ?

Es kann sein, dass sie mehr Bewusstsein haben. Aber klar ist auch, dass die nationalen Denkweisen auf keinen Fall in Frage gestellt werden. Sie sind relativiert, weil die Jugendliche erfahren, dass ihre Denkweise nicht die einzige ist. Aufgehoben werden sie aber relativ selten.

Europäisches Programm oder europäisches Label für nationale Initiativen ?

Lassen wir die offiziellen Quellen sprechen : « Zurzeit nehmen mehr als 3100 Hochschulen in 31 Ländern Europas am Erasmus-Programm teil. Bisher wurden 1,7 Millionen Studenten unterstützt. Rund 170 000 Studenten (Tendenz steigend) nehmen alljährlich am Austausch teil» [2].

Kaum ein europäischer Student-in kennt Erasmus nicht. Was ein Akronym (European Region Action Scheme for the Mobility of University Students) war, ist ein fester Begriff geworden. Doch viele wissen noch nicht, dass auch sie ein oder zwei Semester ins Ausland dürfen, und wagen es nicht, sich zu bewerben. Zum ersten Mal wurden 2008 in Frankreich 4 000 Stipendiaten nicht vergeben, weil es keine Kandidaten gab!

Eine wahre europäische Dimension gibt es nicht immer. Erasmus ist nämlich vor allem ein Austauschprogramm zwischen Universitäten. Nur sie schliessen Abkommen ab, die danach im Rahmen einer Initiative der Europäischen Union finanziell unterstützt werden. Als Student in einer französischen Universität darf ich nicht irgendwo in Europa studieren, sondern nur in die Universitäten, die eine Partnerschaft mit meiner eigenen haben. Die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, hängt noch viel zu viel von den eigenen Universitäten ab.

Man sollte sich auch fragen, ob es nicht notwendig ist, Rahmen auf EU-Ebene durchzusetzen, damit die Universitäten alle Leistungen anerkennen. In manchen Universitäten ist es zum Beispiel so, dass eine BA Arbeit notwendig ist, um den BA-Abschluss zu bekommen, auch wenn der Student im Ausland war, während die anderen Studenten seines Jahrganges die BA Arbeit schrieben. Eine totale Durchsetzung des ECTS Systems sollte auf EU-Ebene möglich sein.

Ein Land oder Europa entdecken ?

Es gibt noch eine andere Kritik, die an Erasmus geübt wird, nämlich dass die Studenten sich in einem Erasmus-Ghetto einschliessen, und dass sie vor allem untereinander bleiben, und wenig Kontakt mit den Einwohner des Landes haben. Ein gutes Beispiel dafür ist der französische Film « L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr ». Ein Student aus Paris verbringt ein Jahr als Erasmus-Student in Barcelona, und wohnt mit 6 anderen Studenten in einer WG.. Darunter kommt nur eine Person aus Spanien, die anderen sind Erasmus-Studenten.

Der Kontakt mit den Einwohnern ist viel schwieriger. Die Frage der Sprache stellt sich auch : Ich habe schon Studenten getroffen, die ein Jahr Erasmus in Polen verbracht haben, und fast kein Wort polnisch gelernt haben! Wer ist schuldig ? Viele geben sich Mühe, nicht nur zwischen « Erasmuslern » zu bleiben, doch in meisten Fälle ist es sehr schwierig, Kontakte mit Studenten zu haben, die ein ganz anderes Leben haben.

Denn es muss auch klar gesagt werden, dass Erasmus nicht besonders anspruchsvoll ist. Und das ist auch gut so, weil es nicht nur um das Studium geht, sondern vor allem um die Sozialisierung zwischen den Europäern von morgen.

 

Sprachliche Vielfalt in politischer Einheit? November 30, 2008

Subtitle and research question: Mehrsprachigkeit in Europa als Bindeglied oder Zankapfel?

E. and I went to the first day of the “Mehrsprachigkeit”-Konferenz, held in Berlin and organized by the Geisteswissenschaften department of the Freie Universität Berlin. Of course, the question in itself concerns a hot topic in an ever growing Europe. That – and the free food – was enough for us to go out and listen to what some smart people had to say about the topic.

Tower of Babylon

Tower of Babylon

In general, these smart people have learned that history is a good starting point for making decisions. What we heard were deliberate discussions of previous multilingual political units: Donaumonarchie, Belgium, etc. Also, the more modern appreciation of language varieties was at issue, although a rather old man in an ivory tower – not even a linguist, but a very right wing French professor in political sciences – still dreamed of The French Language, without varieties. (About the English of German youngsters he said: “they maybe understand the English commercials in shopping windows, but read them a line of Shakespeare and they will have difficulties.” With people like that, discussion is useless.)

Smart things have been said, and the discussion about multilingual people vs. a lingua franca balanced between an appreciation of people that speak four languages or so and the usefulness of a common language. In my opinion, I find that these highly educated people tend to forget that the vast majority of the people are monolingual and that they (the highly educated) should not take themselves as the average; I am pretty sure that most people at the conference were at least trilingual.

So, in Europe, where English is almost a de facto lingua franca, but where de jure multilingualism is still in place, this discussion is highly relevant. As a linguist, I try to be tolerant about language varieties and I simply wait for a natural solution for communication problems. This does not mean that language planning is evil; we do need to think about this issue. But a decission should always be based on what is actually happening around us.